hinunter scrollen

Menschen, Tiere, Sensationen

Menschen, Tiere, Sensationen

Wer nicht rastet, der rostet

 

Der Besucher betritt Neuland. Das Wetter ist kalt und grau.

Der Wind trägt leere Getränkedosen vorbei. Neuland - das ist an der Friedenheimer Brücke. Auf dem alten und etwas verwahrlosten Industriegelände arbeiten und wohnen 15 (Lebens-) Künstler. Kreativität liegt in der Luft.

Mitten auf dem Gelände steht eine alte Garage. Ein Rolladen geht hoch. Horst Rainer, ein österreichischer Künstler mit zotteliger weißer Haar- und Bartpracht öffnet die Tore zu seiner Werkstatt. Innen drin herscht ein gepflegtes Chaos. Bilder hängen an der Wand, Jacken neben Werkzeugkisten, Modelle stehen herum. Den Eingangsbereich ziert eine riesige Maschine. Der Blick durch den halb geöffneten Rolladen trifft einen Schuttberg, auf dem ein einsames Sofa wie eine Wahrzeichen thront. In der Ferne Gleis-Gewusel, trostlos. Mitten im Raum steht eine etwas zerschlissene, aber urgemütliche Ledercouch. Sie ist das Herz des Ateliers. Der Herr des Hauses schürt das Feuer im Ofen. Es knistert und wird warm.

Horst Rainer bezeichnet sich als den weltweit einzigen Rost-Art-Künstler. Das macht ihn ein wenig stolz und auch glücklich, schließlich ist er "mit der Kunst verheiratet". An der Wand seines Ateliers hängt ein Rost-Gemälde. Es zeigt Jesus. Rainer hatte es an eine Dame verkauft, die es ihm einen Tag später wieder zurückbrachte, mit der Begründung es sei zu stark. Das könne sie nicht ertragen. Horst Rainer nimmt das Bild vond er Wand und erklärt mit Hingabe jede Einzelheit. Tatsächlich: Bei genauer Betrachtung kommt der bösartige Gesichtsausdruck eines Löwen zum Vorschein, der einen nicht mehr loslässt. Rainer hat beschlossen, das Bild zu verschleiern. Kunst ist eben Prozess.

Das Rosten von Textilien auch. Er dauert bis zu zwei Monate. Rost hat für Rainer eine hohe Aussagekraft. Einerseits symbolisiert das Material die Vergänglichkeit, andererseits schütze und erhält Rost Gegenstände und steht damit für Unvergänglichkeit. Seit etwa zehn Jahren ist Horst Rainer prüfessioneller Textil-Roster, obwohl er schon vor Jahrzehnten mit Rost in Berührung kam. Seine "Großmutti", wie er sie liebevoll nennt, wusch früher seinem Großvater die weißen Hemden. Hin und wieder blieben Rostflecken zurück. Das erzürnte den Großvater. Da die Rostgeschichte tief in ihm steckte, unternahm er bereits in den 50er Jahren erste Versuche, Gegenstände zu rosten. Papier und Baumwolle aber lösten sich auf.

 

 

 

 

Anfang der 60er Jahre lernte der Künstler Joseph Beuys kennen. Die "Idee Beuys" hat ihn sehr geprägt.
Auf Reisen durch Frankreich hatte er sich zuvor mit Picasso beschäftigt. Doch Picasso ließ Rainer verzweifeln.

Er hatte alles gemacht, was ein Mensch künstlerisch leisten kann. Die Begegnung mit Beuys beflügelte Rainer, denn durch ihn erkannte er, dass man nur in sich selbst hineinhorchen müsse, um etwas zu bewegen.
Alles könne man in der Kunst machen, solange es stark sei. Der Österreicher sagt heute.

"Ich bin der Schwamm und ich versuche, ihn auszupressen. Das ist die Prägung durch Beuys. Ich muss die Eindrücke von außen aufsaugen und reinigen. Das ist Kunst."

Dieses Schwammgefühl, wie Rainer es nennt, hat er beim Rosten.
Er kann sich täglich neu erfinden. "Ich kann meine ganze Geschichte hineinlegen."
Doch der Weg dorthin war weit. Vieles hat er geschaffen in seinem Leben und etliche künstlerische Krisen überwunden. Wenn man immer weiter geht und niemals stehen bleibt, findet man seine Erfüllung.

Mittlerweile weiß Horst Rainer, dass sich nur synthetische Stoffe zum Rosten eignen.
Er nimmt ein Tuch und weicht es ein in eine von ihm entwickelte Flüssigkeit - ein Geheimrezept.
Nur so viel: Man könnte es trinken. Mit einem Laser Plasma-Schneider schneidet Rainer Kompositionen aus einer Stahlplatte und fertigt eine Schablone. Platte und Stoffe werden dann für mehrere Wochen im Sand vergraben.
Der Sand speichert die Flüssigkeit und übt Druck aus. Der Rost beginnt zu arbeiten.

Etwa alle zwei Tage überprüft der Künstler die Arbeit und versorgt das Werk mit Sauerstoff. Je nach gewünschter Schattenwirkung wird die Stahlplatte regelmäßig versetzt. "Die Technik ist noch lange nicht ausgereift."

Und dann ist da noch das 1001-Meter-Werk, Rainers großes Zukunftsprojekt.
Eine riesige Stoffrolle bereist die Welt und Kinder aller fünf Kontinente berosten diese Rolle. Am Ende möchte er die Rolle verkaufen und den Erlös an die Kinder spenden.

 

 

 

 

Nun begann seine Künstlerlaufbahn, die bis heute unvermindert und ungebrochen anhält.
Er erhielt seine Ausbildung an der Kunstschule Graz in Bildhauerei. Die ersten künstlerischen Erfahrungen hat Horst Rainer im Steinbruch St. Margarethen im Burgenland gesammelt.
In den folgenden Jahren erweiterte er seinen Horizint unter anderem in Deutschland, Frankreich, Schweiz, Holland und Grichenland.
Er hat die Kunst als Ganzes zu sehen verstanden und gelernt, dass viele Ausdrucksformen in einem Künstler vereint, aber unterschiedlich entwickelt sind.

Nach der Familiengründung begann er einen Skulpturenpark in Erpfendorf/Tirol aufzubauen. Er Widmete sich der Gestaltung des Parks und arbeitete mit anderen Künstlern in Form von Symposien zusammen.
1996, nach 26 Jahren löst er sich vom Schaupark-Projekt und widmet sich seitdem wieder verstärkt und konzentriert seiner bereits in den frühen 60er Jahren "Entflammten Liebe" der Textil-Rost-Art.

Bilder, Objekte, Skulpturen von einer intensiven Auseinandersetzung von der Vergänglichkeit geprägt, sind das Ergebnis.
Seit 2006 entstehen so auch "gerostete Lichtobjekte". Bilder, Skulpturen, Wand/Raumteiler. Diese Technik, entwickelt Horst Rainer mit Erfindungsreichtum, Schöpfergeist und Elan immer weiter.
Seine Kunstrichtung, er ist ja der Begründer der Textil-Rost-Art, will er mit einem 1001m Werk in die Öffentlichkeit tragen.

Eine Vision, die seine Schöpferkraft beflügelt. Seine Vorstellung ist, auf allen Kontinenten an Stränden, Wäldern oder wo er die Möglichkeit erhält, mit Kinderndes jeweiligen Landes, die Farbe seine Textil-Rost-Art bereichern, zu arbeiten.
Rost ist ein Naturprodukt und nicht an Orte gebunden. Natürlich ist so ein großes Projekt nur mit finanzieller Unterstützung der Wirtschaft möglich. Horst Rainer ist zuversichtlich, dass sich seine Visionen realisieren lassen wird.

Horst Rainer, heute 80 Jahre alt, spürt immer mehr, dass seine Jahre und Erfahrungen in seiner Kindheit seinen Charakter stark und kreativ geformt haben.
In den letzten Jahren besucht er wieder gerne seine "Heimatwurzeln", er staunt auch über die hohe Wertigkeit die Bärnbach erlangt hat.

 

 

 

Horst Rainers Weg aus Afling zur Kunst
 

In eine Zeit hineingebohren, die geprägt war von Einfachheit, Natürlichkeit aber auch Angst, Hunger und Schmutz, formte Horst Rainers Lebenseinstellung intensiv mit.

Die Natur wird sein bester Ratgeber. Seine ersten Kunstwerke gestaltete er aus dem was ihm die Natur anbot.
Seine Kreativität war schon sehr früh in ihm erwacht, da es aber keine Möglichkeit gab Material zu kaufen um diese Visionen in die Tat umzusetzen bediente sich Horst Rainer von dem reichhaltigen Angebot der Mutter Erde.
Alle die ihn in seiner Jugend kennengelernt haben wissen, dass er nie in die Norm einzureihen war. Sehr früh kristallisierte sich heraus, dass er seinen Weg geht, egal ob das in die damalige Norm paßte oder nicht.
Viele schätzen ihn deswegen, einige waren nicht so begeistert von seinem rebellischen Charakter. Ungerechtigkeiten von Autoritätspersonen ließen ihn gegen diese heftig reagieren auch wenn es für ihn die, damals übliche, Prügelstrafe bedeutete.

Erst Jahre später wurde ihm bewusst, dass das unvermögen der damaligen Ansichten der Lehrer, sein Leben dramatisch prägte. Denn er war Linkshänder. Das allein genügte schon um mit dem Stock gezüchtigt zu werden.
Wie viele Künstler ist er auch Legastheniker, leider auch ein Umstand der nur zu Schwierigkeiten in seinen jungen Jahren führte. Das Ergebnis dieser Züchtigungen war, dass Horst Rainer alles aus dem Weg gegangen ist was mit Schreiben zu tun hatte.
Doch daraus resultierte, dass Horst Rainer seine eigene Kunstsprache erfand, die sich bis heute in seinen Kunstwerken findet oft nicht sofort sichtbar für den Betrachter.

Es ist überhaupt ein Merkmal Horst Rainers aus Widrigkeiten kreatives zu schaffen.

 

Science-Tech

Höllriegelskreuther Weg 3, 82065 Baierbrunn
Germany

kunst@horst-rainer.at
www.horst-rainer.at

Fenster schließen
Menschen, Tiere, Sensationen